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Jubiläumsfest Erzählbühne am 18. Juni 2018

GlückWunsch 11 Jahre Erzählbühne – das Geburtstagsfest

Es war ein wundervolles Fest.

Die Bude war voll, die Stimmung beschwingt, die Erzähler*innen in Höchstform. Aber schauen Sie selbst, die Bilder sagen mehr als viele Worte:

Seit 11 märchenhaften Jahren gibt es unsere Erzählbühne in Berlin: Einmal im Monat haben hier alle Erzählwütigen die Gelegenheit, Märchen und Mythen, Biografisches und Fiktionales frei zu erzählen. Im Anschluss an den offenen Teil des Abends tritt ein Profi aus der internationalen Erzählszene auf – eine einzigartige Veranstaltung in der Berliner Kulturszene.

Den 11. Geburtstag der Erzählbühne haben wir am 18. Juni 2018 im ZENTRUM danziger50 gefeiert, mit fast 100 Gästen, fünf Erzählerinnen und einem Erzähler (auf der Bühne, unter den Zuschauer*innen waren noch viele mehr!), mit einem Empfang im Garten, selbstgemachtem Buffet und Sekt (viel Sekt…), mit einer Tombola, Akkordeonmusik und natürlich Geschichten, Gesprächen und Gesang.

     

Die sechs Erzähler*innen auf der Bühne waren eng verknüpft mit der Geschichte der Erzählbühne, denn sie hatten sie alle für einige Jahre geleitet, oder leiten sie noch, wie Kathleen Rappolt und Sven Tjaben, die amüsant und souverän wie immer durch den Abend führten.

  

Entsprechend viele Anekdoten hatten alle sechs auf Lager: von dem Barkeeper, der auf den hohen Frauenanteil in der Erzählszene spekulierte („Kommen da auch junge Frauen? Dann mach ich Cocktails!“) im ersten Veranstaltungsort „Tribüne“, bis zum jetzigen Ort in der danziger50, dessen Kulturverein auch schon mal einen „Antrag auf Ungemütlichmachung des Raucherraums“ stellt (von Rauchern, wohlbemerkt).

Vor allem aber erzählten die sechs Erzähler*innen Geschichten vom Glück und vom Wünschen, ganz nach dem Motto „GlückWunsch“, unter dem das Programm des Abends stand.

 

Kristin Wardetzky erzählte von Dionysos, dem griechischen Gott des Weines und der Ekstase, dessen Mutter – eines der vielen wunderwunderWUNDERschönen Mädchen, die Gottvater Zeus geschwängert hat – an einem tödlich-törichten Wunsch zugrunde ging, den ihr Zeus eifersüchtige Ehefrau Hera eingeimpft hatte.

 
Mit viel Körpereinsatz brachte Janine Schweiger den Saal zum Lachen über „Hans im Glück“, den Pechvogel der so unerschütterlich glücklich ist, dass man sich fragt, ob er nun eigentlich dumm oder begnadet ist (oder beides)?

Uta Lindner machte einen ganzen Parcours durch die Wünsche im Märchen und kommt zu dem Schluss, dass es – neben den vielen sehnlichen Kinderwünschen und dem „Du hast einen Wunsch frei“ der guten Fee – in Märchen doch recht oft um böse Ver-Wünschungen geht.
  
Christine Lander erzählte die Geschichte einer verbotenen Liebe, bei der die Liebenden sich nicht auf ihr Glück verlassen, um ihr Glück zu erlangen, sondern der Erfüllung ihrer innigsten Wünsche mit viel List und Mut auf die Sprünge helfen.

Schlau stellt sich auch der Mann in der irischen Geschichte an, die Kathleen Rappolt auf die Bühne brachte: Er hat den berühmten EINEN Wunsch frei. Um alle Begehrlichkeiten unter einen Hut zu bringen – die Frau will ein Kind, die blinde Mutter will wieder sehen, der Vater will Geld – wünscht er sich „Meine Mutter soll sehen, wie meine Frau unser Kind in einer goldenen Wiege schaukelt“ – bingo!
  
Bei Sven Tjaben hat das Glück die Gestalt eines kleinen, nicht gerade hübschen Wesens, das faul unter einem Baum liegt. So sieht zumindest das Glück von Kadyr aus, der lange danach gesucht hat, aus Neid auf seinen Bruder, dessen Glück fleißiger war. Kadyr verpasst vor lauter Glückserwartung alle Angebote auf seinem Weg – doch am Ende wird auch für ihn alles gut. Zum Glück.

 

Den Soundtrack des Abends steuerte der Musiker Patrick Farrell bei: Mit seinem Akkordeon hat er die beschwingte, freudige und unprätentiöse Stimmung des Festes einfühlsam aufgegriffen und verstärkt.

So schön sahen die Kranich-Lose der Tombola aus. Noch schöner waren die Preise, die man damit gewinnen konnte. Es waren spezielle Erzählpreise, wie es sie nur bei uns geben kann, und mit denen die Mitglieder des Vereins die Vielfalt ihrer Erzählkunst zeigen:

Ein Sagenspaziergang durch Berlins Mitte, mit und von Christine Lander
Ein Erzählbesuch zu Hause, mit und von Arna Vogel
Korea in Geschichten und Kalligraphie erleben, im Koreanischen Kulturzentrum, mit und von Soogi Kang
Eine Märchen-Naturwanderung in Berlin, mit und von Uwe Güntzel
Einladung zum verbale! Erzählfestival in Potsdam, von Suse Weisse
… und noch viele andere Gutscheine rund ums Erzählen, die man so nur bei uns gewinnen kann, sowie Bücher und Bilder.

Der Abend wurde getragen von einem kostenbaren „Geist der Gemeinsamkeit“, wie es Erzählbühnengründerin Kristin Wardetzky auf den Punkt brachte. So viele Vereinsmitglieder haben geholfen, alle arbeiten ausschließlich ehrenamtlich und haben gemeinsam ein tolles Fest gelingen lassen. Danke!

Hoffentlich gibt es bald wieder einen Anlass zum Feiern!

Video: Christine Zeides / Fotos: DiLenz

Die Erzähler*innen auf der Bühne beim Geburtstagsfest und ihre Rolle für die Bühne in 11 Jahren:

Kristin Wardetzky: Die Grande Dame der Erzählkunst in Deutschland gründete den Verein Erzählkunst e.V. und initiierte auch dessen Erzählbühne vor 11 Jahren. Zwei Jahre lang hatte sie die künstlerische Leitung inne, doch ihr Engagement für die erste offene Erzählbühne in Deutschland ist bis heute nicht versiegt.
Kristin ist Erzählkunstforscherin, Theaterpädagogin und (bis 2007) Professorin an der Universität der Künste Berlin. Dort hat sie u.a. den Studiengang ‚Künstlerisches Erzählen – Storytelling in Art and Education‘ initiiert. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Künstlerisches Erzählen in Theorie und Praxis, Kinder- und Jugendtheater, sowie Märchenforschung. Als Professorin im Ruhestand, als Erzählerin und Mentorin der Erzählkunst zum Glück nicht!

Bildrechte: Kristin Wardetzky

Janine Schweiger müsste eigentlich Janine Erzähler heißen. Seit 2005 ist sie als professionelle Erzählerin mit – vor allem, aber nicht nur – Märchen für Kinder und Sagen für Erwachsene auf Berliner Bühnen und anderswo unterwegs. Dabei schreckt sie auch nicht vor den Nibelungen zurück. Janine ist glücklich, „wenn sich die erzählten Bilder in den Gesichtern meiner Zuhörer widerspiegeln.“
Für die Erzählbühne war Janine die Frau der ersten Stunde: Sie organisierte und moderierte die Erzählbühne in den allerersten zwei Jahren, von Dezember 2006 bis Dezember 2008. Damals hieß es noch „ErzählBar“ und fand in der Bar – mit Cocktail mixendem Barkeeper! – der „Tribüne“ in Charlottenburg statt, einer der ältesten Berliner Privatbühnen, die 2008 nach 89 Jahren schließen musste. Janine hat eine Menge zu erzählen aus den Anfängen der Erzählbühne …

Foto: Jörg Farys

Suse Weisse leitete die Erzählbühne sage und schreibe sechs Jahre lang. Sie war es auch, die für die Erzählbühne eine neue Heimat fand: das kleine aber feine Theater o.N. im Prenzlauer Berg, das 1979 als erstes freies Theater der DDR gegründet wurde.
Suse Weisse lebt in Potsdam und arbeitet als Geschichtenerzählerin überall. Sie erzählt von Liebe und Not, Hunger und Brot und von ihrer Oma. Oft mehrsprachig. Sie unterrichtet auch die Kunst des Storytelling, an der Fachhochschule Clara Hoffbauer Potsdam und an der UdK Berlin. In Potsdam hat sie eine offene Erzählbühne nach dem Berliner Vorbild aufgebaut und das ErzählWerk gegründet, das in diesem Jahr schon zum 3. Mal ein Festival ausrichtet: Die verbale! Vom 14. bis 16.9.2018. Unbedingt merken und hingehen.
Suse Weisse konnte beim Geburtstagsfest der Erzählbühne wegen Krankheit leider nicht dabei sein.

Foto: Marcel Weiße

Uta Lindner ist Schauspielerin, Puppenspielerin und Erzählerin. Sie ist seit den 80er Jahren Ensemblemitglied des Theater o.N., das sich intensiv mit Märchen beschäftigte und diese in zum Teil vielbeachteten Inszenierungen auf die Bühne brachte. Vor diesem märchenhaften Hintergrund hat sie sich sofort für die Erzählbühne begeistert und unterstützte Suse Weisse im Theater o.N.
Doch Utas Erzählleidenschaft wurzelt in viel früherer Zeit: „Von meiner Oma habe ich mir immer wieder die gleichen Geschichten vorlesen lassen. Bis ich sie genau in allen Einzelheiten kannte. Und dann hab ich sie meinen kleineren Geschwistern und Freunden weiter erzählt.“ So fängt‘s an.

Foto: David Beecroft

Christine Lander hatte ihren ersten richtigen öffentlichen Auftritt als Erzählerin vor einem Erwachsenenpublikum auf der Erzählbühne. „Ich war unglaublich aufgeregt und konnte es nicht fassen, die Leute mit einer einfachen Tiergeschichte zu begeistern. Mir war damals überhaupt nicht klar, dass Erzählen ein Beruf sein kann.“ Nun, das hat sich gründlich geändert: Christine arbeitet seit 2006 als professionelle Erzählerin und als Dozentin für Erzählen, im Jahreskurs von Erzählkunst e.V. und an der Universität der Künste Berlin.
Die Erzählbühne hat sie 2012 bis 2016 zunächst mit Suse Weisse und dann mit Kathleen Rappolt geleitet, seit 2018 ist Christine Vorsitzende des Vereins Erzählkunst. Die Erzählbühne schätzt sie vor allem als Inspirationsquelle: “Als Erzählerin wird man ja am stärksten von anderen Erzählenden inspiriert. Welch unglaubliche Vielfalt ich in 11 Jahren Erzählbühne erleben durfte, das ist ein ganz großer Schatz!“

Foto: Thomas Jordi

Kathleen Rappolt ist seit 2012 als freiberufliche Erzählerin, Performerin und Theaterpädagogin (M.A.) für verschiedene Theater und Bildungseinrichtungen tätig. Sie erzählt und performt auf kleinen und großen Bühnen: in Schulen, Theatern und auf internationalen Erzählfestivals. Wenn sie nicht selbst auf der Bühne steht, gibt sie ihre Leidenschaft für das Erzählen in Seminaren weiter, zum Beispiel an der Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW oder an der Universität der Künste Berlin.
Seit 2015 leitet sie die Erzählbühne. Dank ihrer guten Vernetzung hat sie ErzählerInnen wie Naceur Charels Aceval, Tormenta Jobarteh, Katharina Ritter und Nell Phoenix nach Berlin geholt. Um die ErzählerInnen zu gewinnen, gibt Kathleen alles. So lief sie Jörg Baesecke nach einer Vorstellung im Dauerlauf auf der Straße hinterher, angetrieben nur von dem Gedanken: „Das Stück MUSS das Berliner Erzählbühnenpublikum sehen.“ Er kam.

Foto: M. Heyde

Sven Tjaben: In Bremen geboren und aufgewachsen, in Hamburg zum Schauspieler ausgebildet, bereist Sven als Theaterschaffender seit über 25 Jahren den deutschsprachigen Raum. Durch eigene Projekte an der Schnittstelle zwischen Lesung, Kabarett und Musikcomédie entdeckte er das freie Erzählen. Er ließ sich an der Berliner Universität der Künste zum Erzähler weiterbilden und tritt regelmäßig als solcher auf.
Seit 2017 leitet er – man beachte: als erster Mann! – mit Kathleen Rappolt die Erzählbühne. Er fand die neue Spielstätte im ZENTRUM danziger50, als das Theater o.N. vorübergehend schließen musste.
Sven ist beim Erzählen die Verbindung von Körper, Sprache und Musik wichtig. Er singt, spielt Mandoline, Gitarre, Banjo, Akkordeon und Klavier – kurz, Sven bringt alles zum Einsatz im Dienste einer guten Geschichte.

Foto: Tanja Thomsen

11 Jahre Erzählbühne: unsere Gäste
Die Idee, eine offene Bühne und professionelle Erzählgäste in einer regelmäßigen Veranstaltungsreihe zusammenzuführen, entstand 2006 nach einem Erzähl-Workshop an der Universität der Künste Berlin mit dem international renommierten Erzähler Ben Haggerty. Die Gästeliste der Erzählbühne kann sich sehen lassen. Diese professionellen Erzählerinnen und Erzähler aus dem In- und Ausland sind schon bei uns aufgetreten: Special Guests der Erzählbühne seit 2009

Wir feierten Geburtstag mit der freundlichen Unterstützung der Sparkassenstiftung – dank unserer Fans, die für uns gestimmt haben!

FLYER Jubiläumsfest 

Für alle, die immer noch nicht genug von dem Fest bekommen haben, haben wir hier eine Auswahl an wunderschönen Fotos zusammengestellt. Wir wünschen viel Vergnügen beim Durchklicken.

Fotos: DiLenz