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Erzählkunst erobert neue Bühnen in Berlin

Erstmals treten Erzähler*innen unseres Vereins im Literaturhaus Berlin und im Theater unterm Dach auf. 

Parcours des Grauens

mit Kristin Wardetzky

Am Samstag, 19. Oktober, 20 Uhr 
im Theater unterm Dach, Danziger Str. 101 Haus 103, 10405 Berlin

Foto Kristin Wardetzky

Tantalos setzt seinen Sohn den Göttern zum Mahl vor. Sie verfluchen ihn, und dieser Fluch bestimmt das Schicksal seiner Nachkommen. Mord und Vergeltung von Generation zu Generation, Männer, Frauen und Kinder werden zu Opfern und Tätern. Eine Geschichte aus vergangenen Zeiten?

Im Tantalos-Mythos greift am Ende Athene ein, die Göttin der Weisheit, und setzt dem Morden ein Ende. Wo bleibt Athene heute?


KÄTHE 35 – Die Biografie eines Hauses 

von und mit Britta Wilmsmeier, mit Live-Musik von Roman Ott

Am Sonntag, 29. September, 20 Uhr 
im Theater unterm Dach, Danziger Str. 101 Haus 103, 10405 Berlin
www.theateruntermdach-berlin.de

„Sie klopfte an, ganz unvermittelt, ich hieß sie herzlich willkommen und war doch überrascht, dass sie auf einmal in MEIN Zuhause eindrang. Geschichte. Seit ihrem Besuch war nichts mehr wie vorher.“ 

Foto. Heidi Scherm

Vor zwei Jahren stand Britta C. Wilmsmeier vor einem Bild des DDR-Fotografen Harf Zimmermann. Auf dem Foto aus dem Jahr 1986 war eine Frau mit einem dicken Hund zu sehen – auf IHREM Balkon. Wer war diese Frau und wer hatte noch alles in ihrer Wohnung, in ihrem Haus gewohnt? Sie begann Stein für Stein ihres Hauses in der Käthe-Niederkirchner-Straße umzudrehen. So lernte sie zwei Juden kennen, die einst in ihrem Haus gelebt hatten und überlebten, weil ihre Eltern sie 1939, als kleine Jungs, nach Frankreich schickten. Mutter und Großmutter wurden von den Nationalsozialisten ermordet, wie weitere 63 Bewohner ihres Hauses.

Foto: von Privat

Keine Türklinke, kein Treppengeländer konnte berührt, kein Blick durch ein Fenster getan werden, ohne dass sich ihr Geschichte und Geschichten aufdrängten. Sie wurde eingeholt von Fragmenten aus 100 Jahren Berliner Vergangenheit, die nun zu Teilen ihres Lebens wurden. Die Geschichtsatome, die sie sonst aus gebührendem Abstand beobachtet hatte, klebten auf einmal an ihr. Es fiel ihr wie Schuppen von den Augen, dass es genauso war wie in der Geschichte „Die drei Geschlechter“ des Rabbi Baal Shem Tov. In Vergessenheit geraten die Fakten, was bleibt sind die Geschichten. 

Aber wer erzählt hier wem seine Geschichte? 

Britta C. Wilmsmeier begibt sich auf eine Reise zum steinernen Zeugen eines Jahrhunderts voller Geschichte und Geschichten. Ihr Erzählprogramm wird musikalisch kommentiert von dem Jazzmusiker, Komponisten und Hausmitbewohner Roman Ott.


Auf dem Gipfel der Welt – 250 Jahre Alexander von Humboldt

Eine Geschichtenreise durch Südamerika auf den Spuren Alexander von Humboldts – von und mit Christine Lander und Daniel Topo Gioia.

Am 6. Mai, 19:30 Uhr
im Literaturhaus
Fasanenstr. 23
10719 Berlin
www.literaturhaus-berlin.de

Unglaublich sind die legendären Reiseabenteuer der beiden Naturforscher Alexander von Humboldt und Aimé Bonpland in Südamerika. Sie begegnen wilden Tieren, Giftmischern, und dem letzten Überlebenden einer Sprache. Sie kämpfen gegen große und winzige Ungeheuer und erreichen schließlich das Menschenunmögliche. Vom Hafen in Venezuela bis zum schneebedeckten Chimborazo, von verseuchten Missionen bis ins „Reich des Giftes“ – Immer tiefer versinken sie in einer Welt voller Wunder und Magie; eine Welt, die an diesem Abend auch lebendig wird in skurrilen, witzigen, spannenden und sinnlichen südamerikanischen Märchen. Die Erzählerin Christine Lander und der Percussionist Daniel Topo Gioia verweben Humboldts Reisebeschreibungen mit den traditionellen Geschichten, Musik mit Worten, Witz und Wissen auf mitreissende Weise.

Foto: Constanze König

DER SINGENDE KNOCHEN – Sie werden noch von mir hören!

Geschichten aus dem musikalischen Untergrund von und mit Sven Tjaben

Am Sonntag, 12. Mai, 20 Uhr 
im Theater unterm Dach, Danziger Str. 101 Haus 103, 10405 Berlin
www.theateruntermdach-berlin.de

Foto: DiLenz

Ungeahnte Schätze entdeckte Sven Tjaben als Jugendlicher unter den Waschküchenfliesen einer ehemaligen Varietébesitzerin, die Berlin noch zu Zeiten der Weimarer Republik erlebt hatte: Schallplatten, die dort verbuddelt waren, weil sie Musik liebte, die nach 1933 verboten war.

Welche Geschichten verbergen sich hinter den Liedern, die den Soundtrack einer Jugend bilden? Dieser Frage geht Sven Tjaben in seinem Programm nach. Die Lieder seiner Jugend waren ihm ein Kompass auf der Suche nach Sinnlichkeit und Identität – jenseits der „German Angst“. Musik wurde sein magischer Helfer, der ihm an jeder Weggabelung die Richtung wies. Besonders ins Mark traf ihn Joseph Schmidt, einer der berühmtesten und erfolgreichsten Tenöre seiner Zeit, der dennoch immer falsch war – als Kantor zu modern, als Opernsänger zu klein, als Jude von den Nationalsozialisten vertrieben, in Frankreich als Deutscher inhaftiert, auf der Flucht elend gestorben. Nach einer Ablehnung soll er gesagt haben: “Dann eben nicht, (…) aber ich verspreche Ihnen, Sie werden noch von mir hören!“ 

Sven Tjaben bringt Joseph Schmidt und andere zu Gehör und erzählt die Geschichten hinter ihrer Musik. Interessant für ihn sind vor allem Künstler*innen, die die gängigen Erwartungen in Frage stellten. Zarte Männer, starke Frauen, hoher Tenor und Damenbass. David Bowie, Nina Hagen, Zara Leander, Josef Schmidt… Wie in Grimms Märchen Der singende Knochen fördert die Musik Verborgenes und Verdrängtes, Verbotenes und Ungeheuerliches zutage. Tjaben geht es darum, sich erzählend und musizierend zu widersetzen, die eigene kulturelle Identität jenseits von Nationen zu finden, vorgegebene Rollenmuster zu hinterfragen und gegen die Wölfe an zu heulen, die wieder vorschreiben wollen, was deutsche Kultur ist.